Breites Bündnis fordert stärkere ORF-Aufklärung zur EU-Wiederherstellungsverordnung

© WWF – Theo Pircher
Wir, das österreichisches Jugendbiodiversitätsnetzwerk, legen ein Konzeptpapier für öffentlich-rechtlichen Themenschwerpunkt vor – unterstützt von Organisationen aus Naturschutz, Biodiversität, Wissenschaft, Jugend und Umwelt.
Wien, 14. September 2026 – Das Österreichische Jugendbiodiversitätsnetzwerk / GYBN Austria fordert eine stärkere öffentlich-rechtliche Auseinandersetzung mit der EU-Wiederherstellungsverordnung und hat dem ORF dafür ein konkretes Konzeptpapier mit dem Titel „Renaturierung verstehen: Was Österreich plant“ übermittelt – in voller Länge weiter unten zu finden.
Breite Unterstützung aus Umwelt, Wissenschaft und Zivilgesellschaft
Unterstützt wird das Konzeptpapier inzwischen von einem breiten Bündnis aus Naturschutz-, Biodiversitäts-, Wissenschafts-, Jugend- und Umweltorganisationen. Dazu zählen BirdLife Austria, der Naturschutzbund, Riverwatch, der Biodiversitäts-Hub Österreich, die Koordinationsstelle für Fledermausschutz und Forschung Österreich, die Zoologisch-Botanische Gesellschaft in Österreich, Scientists for Future, der Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs, ÖKOBÜRO, SDG Watch Austria, Fridays for Future, die Österreichische Gesellschaft für Tropenmedizin, Parasitologie und Migrationsmedizin sowie Suske Consulting.
Ein zentrales Zukunftsthema für Österreich
Ziel des Konzeptpapiers ist es, eine sachliche, verständliche und kontinuierliche öffentliche Begleitung der österreichischen Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung anzuregen. Die EU-Wiederherstellungsverordnung ist eines der zentralen Natur- und Zukunftsthemen der kommenden Jahrzehnte. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten, geschädigte Ökosysteme schrittweise wiederherzustellen und nationale Wiederherstellungspläne zu erstellen.
Für Österreich bedeutet das langfristige Entscheidungen über Gewässer, Moore, Wälder, Agrarlandschaften, Siedlungsräume, Biodiversität, Hochwasserschutz, Klimaanpassung, Landwirtschaft, Finanzierung und Beteiligung. Gerade weil die Umsetzung bis 2030, 2040 und 2050 reicht, betrifft sie nicht nur aktuelle Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, sondern besonders auch junge und kommende Generationen.
Konstruktiver Vorschlag statt redaktioneller Vorgabe
„Wir wollen nicht einfach nur kritisieren, dass die Wiederherstellungsverordnung bisher zu wenig öffentlich erklärt wird. Wir möchten einen konstruktiven Vorschlag liefern, wie eine verständliche, ausgewogene und journalistisch unabhängige Berichterstattung aussehen könnte“, sagt Jonathan Fuhs, Vereinsmitglied des Österreichischen Jugendbiodiversitätsnetzwerks und Initiator des Projekts.
GYBN Austria betont ausdrücklich, dass es nicht darum geht, dem ORF redaktionelle Vorgaben zu machen oder in seine redaktionelle Unabhängigkeit einzugreifen. Vielmehr versteht sich das Konzeptpapier als konstruktiver Impuls für mögliche redaktionelle Zugänge zu einem komplexen und gesellschaftlich relevanten Thema.
Beteiligung braucht verständliche Information
Ein zentraler Punkt ist dabei die Beteiligung der Bevölkerung. Die Wiederherstellungsverordnung sieht eine offene, transparente und inklusive Erstellung der nationalen Wiederherstellungspläne vor. Öffentlichkeit und relevante Stakeholder sollen frühzeitig und wirksam eingebunden werden.
„Nur wer versteht, worum es geht, kann sich sinnvoll beteiligen. Wenn die Bevölkerung bei der Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung mitreden soll, braucht es verständliche, sachliche und breit zugängliche Information“, so Fuhs.
Öffentlich-rechtlicher Auftrag des ORF
Das Anliegen knüpft unmittelbar an den öffentlich-rechtlichen Kernauftrag des ORF an. § 4 des ORF-Gesetzes verpflichtet den ORF unter anderem zur umfassenden Information der Allgemeinheit über wichtige politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Fragen, zur Förderung des Verständnisses für demokratisches Zusammenleben und europäische Integration, zur Vermittlung von Wissenschaft sowie zur Verbreitung und Förderung von Volks- und Jugendbildung. Besonders relevant ist zudem der Auftrag zur Information über Themen des Natur- und Umweltschutzes unter Berücksichtigung der Prinzipien der Nachhaltigkeit.
Eine sachliche, ausgewogene und verständliche Berichterstattung zur Wiederherstellungsverordnung wäre daher keine Sonderkampagne, sondern ein Beitrag zur Erfüllung dieses öffentlich-rechtlichen Bildungs- und Informationsauftrags.
Vorgeschlagenes ORF-Konzept
Das vorgeschlagene Konzept sieht einen trimedialen ORF-Themenschwerpunkt vor, der Fernsehen, Radio und Online-Angebote miteinander verbindet. Denkbar wären unter anderem monatliche Thementage, regelmäßige Erklärstücke, regionale Beiträge der Landesstudios, vertiefende Inhalte auf ORF ON sowie Beiträge in Nachrichten-, Wissenschafts-, Bildungs-, Kinder- und Jugendformaten.
Im Mittelpunkt sollen zentrale Fragen stehen: Was bedeutet die Wiederherstellungsverordnung konkret für Österreich? Wer entscheidet über Maßnahmen? Welche Lebensräume und Regionen sind betroffen? Welche Chancen ergeben sich für Biodiversität, Hochwasserschutz, Klimaanpassung, Landwirtschaft und Lebensqualität? Welche Zielkonflikte bestehen, und wie können Bürger:innen sachkundig mitreden?
Nachrichtenformate als Multiplikator
Besonders wichtig sei aus Sicht von GYBN Austria die Rolle etablierter Nachrichtenformate wie der ZIB. Diese könnten als Multiplikator dazu beitragen, ein komplexes europäisches Thema aus der Fachdebatte in die breite öffentliche Wahrnehmung zu bringen. Ergänzend könnten Wissenschafts-, Bildungs-, Regional- und Jugendformate dazu beitragen, unterschiedliche Zielgruppen verständlich und ausgewogen zu erreichen.
„Die Wiederherstellung der Natur ist kein Randthema, sondern eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Funktionierende Ökosysteme sichern Wasser, Böden, Bestäubung, Ernährungssicherheit, Hochwasserschutz, Klimaanpassung, Gesundheit und Lebensqualität. Deshalb braucht es eine breite, verständliche und unabhängige öffentliche Begleitung“, so Fuhs.
Beitrag zur Versachlichung der Debatte
Mit dem Konzeptpapier möchte GYBN Austria einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte leisten. Die Wiederherstellungsverordnung betrifft zahlreiche gesellschaftliche Gruppen – von Landwirtschaft und Gemeinden über Wasserwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft und Wirtschaft bis hin zu Schulen, Jugendorganisationen und Bürger:innen vor Ort.
Das Österreichische Jugendbiodiversitätsnetzwerk ruft daher zu einer breiteren öffentlichen Auseinandersetzung mit der Wiederherstellungsverordnung auf und ersucht den ORF, seine öffentlich-rechtliche Reichweite zu nutzen, um dieses zentrale Zukunftsthema verständlich, ausgewogen und kontinuierlich zu begleiten.
Bei Fragen oder falls ihr uns unterstützen wollt, gerne melden unter verein@gybnaustria.at!
